Gaga Land

Die holde Einigkeit des Trumpbashings in meiner Facebook-Timeline und den Kommentaren der „Leitmedien“ geht mir gewaltig auf die Nerven. Aber leider ist dies absolut typisch für die debile deutsche Öffentlichkeit mit ihrem dauernden Focus auf Politiker und Symptome und der Ausklammerung der Ursachen und Systemfragen (Agrarwende, Energiewende, Digitalisierung, Grundeinkommen, soziale Gerechtigkeit, Finanz-Geldsystem, Oligarchie/Kapital/Staat, direkte Demokratie, Kreislaufwirtschaft, Rohstoffe/Geopolitik/Krieg, Überwachung, Postwachstumsökonomie, Solidarität, Bildung, etc.). Um es nochmal deutlich zu sagen: Trump oder AfD sind Symptome aber nicht die Ursache einer systemischen Krise.

Anstatt der ganzen Trump-Aufregung: Regen wir uns doch z.B. über das unterirdische Diskursniveau und die Meinungsmanipulation im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf! (Fatalerweise wird man mittlerweile, wenn man eine solche Kritik äußert, ja fast sofort schon als AfD- oder Trump-Anhänger diffamiert.)

Prototypisch hier mal ein Blick auf Talksendungen der vergangenen Woche und ihre Gäste (die ich mir freilich aufgrund ihres hochgradigen SCHWACHSINNS- und MANIPULATIONSgehalts nicht angesehen habe):

Maischberger – „Trump macht Ernst: Muss die Welt vor ihm zittern?“

Tina Hassel, Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios (völlig ahnungslos)

Jürgen Trittin, Die Grünen (no comment)

Alexander Graf Lambsdorff, FDP, Vizepräsident des EU-Parlaments (spricht für sich)

Ron Williams, amerikanischer Schauspieler (seriously?)

Harald Kujat, ehemaliger Nato-General (spricht für sich)

Frederic Prinz von Anhalt, „Trump-Anhänger“ (no comment)

 

Illner – „Der unberechenbare Präsident – stellt Trump die Welt auf den Kopf?“

Nobert Röttgen, CDU (siehe Jürgen Trittin)

Ivan Rodionov, RT-Deutsch Chefredakteur (immerhin interessant, ist doch RT-Deutsch in den Augen der deutschen Öffentlichkeit der Fake-News-Haussender des Teufels)

Constanze Stelzenmüller, Journalistin, zur Zeit tätig bei der Brookings Institution in Washington, D.C.

Hier wird es nun interessant. Die „Brooking Institution“ ist einer jener „Think Tanks“, in denen die (transatlantische) Konzern-, Finanz-, Politik-, und Medienelite miteinander verknüpft ist. Es genügt ein Blick auf die Board Member, um zu sehen, wer (hinter den Kulissen der schwachsinnigen deutschen Öffentlichkeit) eigentlich Politik macht. Wer es noch nie getan hat: Es lohnt sich auf Bloomberg mal zu recherchieren, wer alles in was für Organisationen tätig ist (Ich erlaube mir hier nochmal den Verweis auf die legendären Stücke – Netz der Macht 1 / Netz der Macht 2 – von Frank-Markus Barwasser, der tut, was eigentlich Job der Journalisten wäre…).

Erich Schmidt-Eenboom, Geheimdienst-Experte (no comment)

Roger Johnson, Vizedirektor der Republicans Overseas in Osteuropa, Trump-Unterstützer (spricht für sich)

 

Presseclub – „Trump im Amt – Können wir uns auf Amerika noch verlassen?“

Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT (muss man eigentlich nichts mehr zu sagen, einer der schlimmsten Nato-Krieg-US-Hardliner)

Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche (no comment)

Constanze Stelzenmüller (war da was?)

Christoph von Marschall, Tagesspiegel (wie es sich für den Presseclub gehört: „natürlich“ Mitglied bei der Atlantikbrücke)

 

Anne Will – Trump im Amt – Verändert das die Weltordnung?

Ursula von der Leyen, CDU, Verteidigungsministerin (no comment)

Günter Verheugen, SPD, Ex-EU-Kommissar (Reptile)

Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (spricht für sich)

Michael Wolffsohn, Historiker (no comment)

Ralph Freund, Vizepräsident „Republicans Overseas Germany“ (Vorbildlicher Lebenslauf: „Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre in San Francisco, Mannheim und Darmstadt. Anschließend ist Freund zunächst für Investmentbanken in New York und Frankfurt tätig. 1997 gründet er eine Unternehmensberatung. 2008 tritt er den Republicans Overseas bei, die republikanische Werte im Ausland vertreten, und ist deren Schatzmeister und Vizepräsident. Freund ist Mitglied der CDU sowie der Republikanischen Partei der USA. Als Deutscher ist er in den USA nicht wahlberechtigt, seine Stimme aber hätte er Donald Trump gegeben.“)

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Will mir jetzt jemand angesichts dieser völlig einseitigen Besetzungsliste (abgehalfterte Politiker, Ahnungslose, NATO- und Wirtschaftsvertreter, Trump-Anhänger) ernsthaft weismachen, dass es hier „ausgewogen“ und „objektiv“ zugeht? Wie fast immer in diesen künstlichen Erregungsrunden nicht zu Gast: Künstler, Schriftsteller, Philosophen, Soziologen, Wissenschaftler – kurz: Teilnehmer und Inhalt sind vollkommen tendenziös, tragen zur Gehirnwäsche aber NICHTS zu einem wirklichen Diskurs bei.

Das einzig sehenswerte Gespräch, dass ich zur aktuellen politischen Lage gefunden habe:

Tilo Jung mit Richard David Precht

Hätte auch nur ein Teil der deutschen Journalisten ansatzweise ein solches Reflexionsniveau, wäre schon viel gewonnen.

 

 


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